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  • Moni

Wind und Wetter

Segeln geht bekanntlich nur mit Wind. Weshalb die Wind- und Wetterdaten für längere, wie auch kürzere Passagen angeschaut werden müssen, möchte ich all den „Nichtseglern“ etwas näher bringen.


Für unsere Islandrundtour haben wir diverse Programme benutzt und angeschaut. Man kann sagen: jedem das Seine!

Bei den Seglern schwört der Eine auf dieses Wind- und Wetterprogramm und der Andere auf ein anderes und obendrein schaut man dann noch querbeet.


Das Wettertool von Hans war:

- MaxSea mit dem TimeZero Navigationsprogramm

- Islandwetterprognosen


Das neue Programm von Peter:

- PredictWind, welches 6 verschiedene Wettervorhersage Programme und ein aktives Wetterrouting besitzt

- Nebenbei schaute er noch Windy, Windfinder

- Das Seaman Pro wurde nicht mehr benutzt

Wetterrouting Langesund - Kosterinsel von PredictWind


Für meine Bescheidenheit war:

- Windy meine Seite

- Zusätzlich div. Wetter-/Windprognosen von Wetterdienst.de, Weather.com, …


Wie man sieht, das Wetter spielt eine grosse Rolle. Wer bei den Meteosendungen am SRF Fernsehen mal den Begriff „Tief über Island“ hört, hat evt. Glück und der Bucheli erklärt wie sich das Tief weiter entwickeln wird. In unserer Zeit um Island herum gab es kein Tiefdruckgebiet. Der Wind war eher dürftig, deshalb auch das viele Motoren.

Beim Segeln kann es jedoch gut möglich sein, dass man ein Tiefdruckgebiet aussitzen muss, was heisst es hat Sturm über kürzere oder längere Zeit, da bleibt man im Hafen und wartet bis das Tief vorübergezogen ist.


Für mich als „Anfänger“ war bis zu unserem letzten Törn im 2019 der Windfinder das Tool, denn sah ich auf einfachste Art in den Farben blau, grün, gelb, rot und der Knotenangabe von Wind und Böen, wann es für mich als Angsthase gefährlich wurde. Da der Windfinder mit dem damals noch benutzten Seaman Pro oftmals ziemlich daneben war, suchte ich immer wieder nach einem neuen für mich einfachen Tool und wurde im Hafen von Bangor auf Windy aufmerksam. Seitdem schaue ich nur noch Windy, dies ist ein Tschechisches Wetterprogramm bei dem Personen noch daran Arbeiten und nicht nur eine Computersoftware ist. Das hat mich überzeugt.

Bei Windy kann man die Vorhersagemodelle ECMWF, GFS, METEOBLUE und ICON-EU anklicken und vergleichen, je nach Region gibt es noch weitere spezifische Landmodelle (France, GB,… und USA)

Linkes Bild Wind 10 Uhr von ECMWF, rechtes Bild um 14 Uhr


Das von Hans benutzte Programm kann ich nicht gut beschreiben, was es alles kann. Er hat es mir ganz zu Beginn des Törns mal gezeigt. Ein Wetterrouting kann er sich anhand der aktuellen Wetterdaten erstellen und kann so sein „Schiff“ laufen lassen auf der gewünschten Route, welche man dem Programm vorgegeben hat.


Nun kommen wir zum neuen Programm auf der Amelia dem PredictWind (ein neuseeländisches Produkt), welches zusammen mit dem Satelittentelefon IridiumGo benutzt wird.

Zuerst musste Peter mal alles im Programm eingeben wie: die Polardaten der Amelia, was heisst, diese geben an wie schnell das Boot fährt in Abhängigkeit vom Windwinkel und der Windstärke.

Zusätzlich zu den Polardaten kann man, wenn man dies möchte, sogenannte Komfortdaten eingeben, bei dem man dem Programm mitteilen kann, dass man nur bis zu gewissen Bedingungen der Windstärke oder Wellenhöhe unterwegs sein will.

Möchte man nun von Punkt A nach Punkt B fahren (z.Bsp. Bergen – Torshavn Färöer) gibt man den Start- und Endpunkt ein, danach rechnet das Programm aus, wo man bei den vorhergesagten Wetterbedinungen am besten durchfahren soll, wie lange man dafür benötigt und wie die Wetterbedingen (Windstärke, Windrichtung, Wellenhöhe, Regen und vieles mehr) unterwegs sein werden. Diese Berechnung erfolgt für jedes Wettermodell (z. Bspl. für PWG, PWE, ECMWF, GFS, noch zwei weitere Modelle) separat. Zudem hilft das Programm bei der Festlegung des optimalen Startzeitpunktes.

unser Departur Planing Stavanger - Kristiansand. Die verschiedenen Wettermodelle, Routen, Startzeitpunkte


Auch das Trackingroutentool, welches per GPS unsere Route aufnimmt gehört zu diesem Programm und ist sicher für die Menschen zu Hause, welche uns auf unseren Passagen verfolgt haben, eine interessante Sache gewesen. Die Sendeeinstellung haben wir so gewählt, dass es nicht alle paar Minuten einen Punkt setzt, sondern im Abstand von 1 bis 3 Stunden. (weiss es nicht mehr auswendig)

Trackingaufzeichung


Das PredictWind Tool ist abgestimmt auf den Satelittenempfänger IridiumGo, mit diesen beiden Instrumenten hat man die Möglichkeit jederzeit und an jedem Ort, Wetterdaten herunterzuladen. (auch auf hoher See) Da uns empfohlen wurde, ein Abonnement mit unlimitierten Daten zu nehmen, haben wir diese Lösung gewählt und es nicht bereut. Zusätzlich zu den unlimitierten Daten (Wettertools, Tracking, SMS, Mails), sind 150 Min. Telefonguthaben pro Monat (Satelittentelefongespräche) mit dabei.


Das Programm mussten wir zuerst verstehen, was wo ist und wie man dies bedient. Das mit den Berichten auf der Trackingroute hat auf der ersten Passage (Vindö – Arendal) nicht funktioniert, da noch nicht genügend Wissen meinerseits vorhanden war. Die Berichte zum Tracking kamen danach erst ab den Färöern, ab Bergen war es unmöglich solches zu versuchen, da es mir überwiegend zu ruppig und magenbelastend war.


Wie es mit allen neuen Dingen ist, hofft man, dass der Support funktioniert, wenn man damit nicht klar kommt. Das PredictWind Team aus Neuseeland ist einfach nur top! Bereits im Vorfeld unseres Törns hat Peter per E-Mail Fragen gestellt und diese wurden mehr als nur ausführlich beantwortet und erklärt. Viele der Angestellten sind top Segler und berichten aus eigener Erfahrung, wie sie welche Situation lösen oder damit umgehen. Auch während unserer Islandrunde hat Peter E-Mails geschrieben und die Antworten kamen einfach immer prompt und waren sehr hilfreich.

Dies ein klein wenig Wetterkunde und Programme.


Nun haben wir etwas über das Wetter erfahren, aber wann sind die besten Windverhältnisse um von Punkt A nach Punkt B zu gelangen?

Nehmen wir mal an die Strecke hat von A nach B ist 50 Seemeilen.


Kommt der Wind von vorne kann man dies nicht segeln und man muss am Wind kreuzen. Auf diese Art wird die Strecke von 50 Seemeilen, im Minimum 75 Seemeilen oft beinahe doppelt so lang.

Streckbug und Holebug, sind da die Begriffe mit einfachen Worten, ich segle vorwärts auf dem Streckbug, wende und segle auf dem Holebug zu meinem nächsten Wendepunkt um wieder nach vorne zu gelangen (wie ausholen)

Das Amwindsegeln, ist das unangenehmste welches man haben kann. Man segelt gegen die Wellen, hat starke Bootsbewegungen es schlägt, die grösste Schräglage, das stärkste Windgefühl an Deck (Fahrtwind und wahre Wind addieren sich).

Auf unseren langen Islandpassagen hatten wir lange Zeit dieses unangenehme Segeln.


Kommt der Wind von Hinten (Vorwind), da segelt man vor dem Wind, was wir nicht zu viel machen. Bei dieser Art wird das Genua (Yankee) ausgebaumt und das Gross wird auf die Gegenseite gesetzt (Schmetterling, links und rechts vom Mast sind die Segel gesetzt)

Dieser Kurs kann man nur bis zu einer gewissen Wellenhöhe segeln und ist auch eher unangenehm es rollt von links nach rechts herum.

Hier spürt man den Wind nicht stark und oft denkt man, dass es weniger Wind habe.


Bei Achterlichem Wind (wie 8 Uhr) kommt der Wind von schräg hinten, man segelt Raumschotkurs. Das Boot segelt da stabiler, Geschwindigkeit durch das Wasser ist etwas höher als beim Vorwind, man hat etwas länger da man vor dem Wind kreuzt (=Halse) das heisst wir fahren mit dem Heck (gut deutsch „Arsch“) durch den Wind.

Hier spürt man den Wind nicht stark und oft denkt man, dass es weniger Wind habe.


Der Halbwindkurs ist der problemloseste Kurs, man ist schnell und hat eine mittlere Schräglage und segelt parallel zu den Wellen.


Halbwind- bis Raumschotkurs sind für längere Passagen wünschenswert. Viele Segler warten auf solche Wetter- und Windfenster und starten erst bei diesen Verhältnissen.

Peter erwähnte, dass alte englische Segler sagen: starte nie, wenn der Wind von Vorne, warte ab bis er von Hinten kommt.


Das gesamte Wetter muss stimmen, damit man von einem optimalen Segeltag oder Segelpassage sprechen kann. Es gibt natürlich noch mehr Dinge, welche (je nach Segelrevier) beachtet werden müssen, Gewitter, Stromrichtung, Stromstärke, Hurrikan, Tyde usw.. Segeln ist nicht wie Auto fahren, einsteigen, Motor einstellen und losfahren.


Aktuell ist es so, dass wir 1.2 Knoten Strömung gegen uns haben. Es würde schön segeln, aber kommen wir nicht trotzdem nicht vorwärts.

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