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  • Moni

Färöer - Island, eine Passage voller Gegensätze 370 Sm, 61 Std. 20 Min.

Es pfeift am Freitag im Hafen von Tórshavn. Wann ist der beste Zeitpunkt für das Ablegen oder wäre die Abfahrt am Samstag windmässig doch besser?

Beeilen müssen wir uns nicht, denn der Wind bläst eh am Anfang nicht ideal, wenn wir aus dem Sund der Färöer auf‘s offene Meer kommen. Peter hat dann vom Customs Skatturinn noch ein E-Mail mit einem Anhang von 6 Seiten zum Ausfüllen bekommen. So konnte er in Ruhe diese Formalitätssache erledigen, mailen und dafür musste er nicht gestern nach der Ankunft als Erstes dies tun.

Das Ablegemanöver haben die beiden Skipper miteinander besprochen, denn waren die Platzverhältnisse zum Wenden gering, der Wind drückte uns auf den einen Finger hin und daher war es doch nicht ganz so einfach. Zwei der drei Italiener auf dem Nachbarboot waren mit Fendern am Steg ausgerüstet, ich denke die trauten der Sache nicht so.

Souverän legten wir da ab ohne Fremdhilfe und Crash, Peter hatte Amelia fest im Griff. Der eine Italiener zeigte dies auch mit einem Daumen hoch.

Kaum waren wir aus dem geschützten Hafen raus, war der nächste grosse Paukenschlag da: Start mit 30 Knoten Wind nach der Hafenausfahrt, der sich bis 42 Knoten verstärkte.

Es ging also schnell mal zur Sache, welche wir mit gerafftem Yankee gut meistern konnten. Die Sundausfahrt war dann doch ruppig, die Strömung mit uns und der Wind gegen uns, welche wir mit Motorstrom meistern mussten. Wir entschieden uns für den breiteren Sund, da wir dachten, dass wir dort den Wind eher von der Seite haben/hätten. Im Nachhinein wäre evt. der schmalere doch besser gewesen…? Die Overfalls waren ziemlich stark und wir waren aufmerksam an Deck, wurden auch mal von einer deftigen Welle überrascht, welche uns rasch duschte. Das Wetter trüb und gegen Ende des Sunds wurden die Lichtblicke immer besser, blauer, jedoch ein ziemlich starker Wellengang war vorhanden.

Wenn schon, denn schon! Hardcore segeln ist angesagt wie Hans sagt. Wir hatten erneut den Wind gegen uns und recht wellig verliessen wir die Färöer.

Ich wurde erneut schläfrig und musste mich bald mal hinlegen. Die beiden Herren vergnügten sich selber mit etwas Essbarem. Später hingegen, als meine Relaxzeit zu Ende war, braute ich diese Flädlisuppe (wie im Küchenbeitrag) für mich und Hans, danach gönnten wir uns noch ein Schoggicornet (ja, Glace hatten wir im Tiefkühlfach) als süsse Versuchung und Rettung vor dem Skipper Peter. Als er sich von seiner Schlafphase zurückmeldete, war seine erste Tat: der Griff zum letzten Cornet ;-)


Die Passage wurde durch Peter noch so interpretiert:

Kunterbunt, am Wind, Halbwind moderat mit Motor bis super Speedsegeln. Lange neblige Phase, dann spannend mystische Einfahrt durch den Nebel hindurch und vor uns die Bergkette von Island im Sonnenlicht. Monumentale Fjordeinfahrt mit schroffen Küsten bis später zu lieblichem Gelände übergehend. Peter meinte er käme sich vor, wie wenn er Amelia auf dem Urnerboden an einem Steg angelegt habe.


Von Samstag auf Sonntag hatte Peter so einen festen Tiefschlaf, dass ich ihn nach 7 Stunden geweckt habe, mein schlechtes Gewissen Hans gegenüber plagte mich. Er meinte immer wieder lass Peter doch schlafen, er könne ja tagsüber schlafen gehen.


Hans zu dieser Passage:

Bei brauchbarem Wetterfenster ist es eine einfach und machbare Passage. Je weiter man zum Polarkreis sich nähert, desto heller werden die Nächte.

Bei der Fjordeinfahrt meinte er: es ist noch gewöhnungsbedürftig kaum Bäume zu sehen.

Ich denke, wenn uns jemand beobachtet hätte als wir noch im Nebel an Bord sassen. Niemand wollte so wirklich nach draussen gehen. Alles war feucht und salzklebrig. Es war kalt und eben Nebel. Fotos machen, Filmen.....???? Weshalb auch...., gibt ja nichts her.... und es schaukelte, da ziemlich Wind.... es war einfach unangenehm da draussen.... so unsere Einwände, bis:


Land in Sicht von Peter kam!

Kaum ein Halten von uns dreien, wie in einem Film verschwand die neblige Wand vor unseren Augen und je näher wir zur Fjordeinfahrt kamen, desto klarer wurde alles.

Wir blieben trotz Kälte draussen stehen. Jeder staunte diese Bergwelt, die Fauna, das Licht an. Mir wurde bewusst, dass es Menschen mit einer Sehbehinderung gibt die genau das sagen: ich habe einen Schleier vor den Augen und sehe nicht viel.

Uns wurde genau so ein Schleier weggezogen und wir genossen die 3 Stunden bis zur Hafenankunft draussen an Deck, jeder für sich. Ein wenig stolz diese Passage gemeistert zu haben, Müdigkeit in den Knochen, welche verflog und wie ein Kreuzfahrtschiff mit Schweizer Flagge fuhren wir die letzten Seemeilen dem Hafen entgegen.

Am Sonntagabend ca. 22:50 Uhr legen wir in Seyðisfjörður an, der Gehilfe des Hafenmeisters nimmt uns die Leinen ab. Die junge Dame vom Zoll steht auch bereits da, muss jedoch nicht warten bis wir die Formulare ausgefüllt haben, denn das hat Peter bereits vor der Abfahrt erledigt. Freundlich und ohne Zeitdruck erkundigt sie sich wie die Passage gewesen ist, dass in diesem Jahr viele Boote nach Island kämen (Corona Freiheit) und dies und das waren die Gespräche.

Der Hafenmeister kam dann etwas später, das Kreuzfahrtschiff war am Ablegen und da wurde er gebraucht.

Ein Island Hafenmeister wie im Bilderbuch, langer Bart, muskulär und wikingermässige Statur. Er erklärt uns alles was wir wissen müssen (Wifi gibt es beim Fähranleger, Waschmaschine beim Camping,...) und bei Fragen sollen wir einfach kommen oder anrufen. Er meinte auch, dass es erst im September wieder dunkel werde. Wasser hat es genügend, das komme aus den Bergen (Quellwasser). Der graue, dicke Schlauch sei der Wasserschlauch, er zeigt auf das Ende und da läuft das Wasser direkt in den Fjord. Das Wasser läuft permanent direkt neben uns aus diesem Schlauch heraus, abstellen ist nicht möglich!!!!


Die beiden Skipper sind sich einig:

Amelia schafft auch 30 Knoten ohne Probleme. Unter 15 Knoten Wind bei Wellengang läuft da nichts oder sehr wenig. Hans meint: Amelia ist ein klassisches Starkwindboot.

Salzig von vorne bis hinten lassen wir Amelia über Nacht stehen.

Eine Überfahrt mit so einer grandiosen Einfahrt durften wir erleben, welche heute nicht stattgefunden hätte, da es trüb, nass und neblig ist. Wir haben also alles perfekt getroffen, auch wenn es manchmal Hardcore Segeln war.


Das 55 Fuss Boot aus Wales, welches einen Tag vor uns hier angekommen ist, hatte da eine happigere Überfahrt als wir. Wir sind dankbar dafür.


Danken wollen wir Allen, welche in Gedanken bei uns waren!!!! Natürlich ein grosser Dank an Amelia's grosse Leistung und Arbeit.



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